Brathuhn mit Rosmarin und Zitrone VS Huhn aus Frankreich
Das typische deutsche Brathuhn ist meist ein armer Vogel aus Industrie-Haltung. In großen Grill- Installationen vegetieren die gespießten Tierchen und die bekannte Paprika- Marinade ist in der Regel ein Einheitsbrei. Natürlich habe ich jetzt etwas übertrieben - Ausnahmen können die Regel bestätigen und es gibt auch köstliche Varianten vom Grillhuhn, Brathähnchen oder Breuler (Broiler).
Über Schreibweisen lässt sich natürlich auch streiten, so bekomme ich zumindest einmal im Monat eine Mail von einer erbosten Besucherin (Ja es sind meistens Frauen) - darin wird gerne über einen Rechtschreibfehler in epischer Länge referiert. Anstatt kulinarisches Gedankengut weiter zu tragen, wollen manche Menschen einfach die perfekte Schrift. An dieser Stelle möchte ich mich bei allen Leserinnen und Lesern entschuldigen. Nach der x-ten Rechtschreibreform habe ich wirklich den Überblick verloren - obwohl es vorher sicher auch nicht besser war - das kann meine Ex- Deutschlehrerin Frau Ruhmann sicher auch heute noch bestätigen. Danke dennoch für freundliche Hinweise.
So, genug geraunzt und schlechte Stimmung gemacht, kommen wir zu genussvollem: Eine Geschichte aus Frankreich - Urlaub an der Riviera ist ein eindrucksvolles Erlebnis. Bitte dran bleiben, ich erspare Euch heute die Jachten und den Champagner und präsentiere, und daran denkt jetzt fast niemand, ein Brathähnchen.
Während in einem deutschen Hähnchengrill (dem Durchschnittlichen) das Bratenfett und die Marinade in eine mit Wasser gefüllte Auffangschale tropft und dort verkümmert, haben unsere französischen Freunde eine sehr gute Alternative zu dieser Methode entwickelt. Die Genialität besteht, wie so oft in der Einfachheit: Die Auffangschale unter den Hähnchen ist mit Paprika- Olivengemüse gefüllt und die leckere Marinade, die vom Vogel tropft aromatisiert das Gemüse auf das herrlichste.
Das Hähnchen wird Original mit diesem Gemüse verkauft - zu Hause angekommen genügt eine gute Flasche Wein und etwas Baguette für das vollkommene Glück. Der bekennende Frankreich Fan würde jetzt sagen - "Klar, dass unsere Weißbrot- Freunde das gut können - wir bauen dafür Mercedes". Ja, dann sag ich: "Die haben Peugeot". Also egal, das führt zu nichts... warum zum Teufel kommen wir nicht selbst darauf - auf die Sache mit dem Gemüse in der Auffangschale? Gut nehmen wir es zur Kenntnis - südfranzösische Luft, guter Wein aus einfachen Gläsern (nicht die Riedel - Variante - welches Glas noch mal zu welchem Wein Frau Bosch?) das wirkt befreiend - daher also diese einfache und geniale Idee aus dem Süden.
Warum ich diese Geschichte erzähle? Habe ich den Faden verloren? Nein, natürlich nicht, weil uns heute auch alles Mögliche verkauft wird: Der Römertopf ist dabei nur die Spitze des Eisberges - man denke noch an Grillspieße für den Haushaltsherd, Bräter in allen Varianten und natürlich Pizzasteine... alles gute Gerätschaften dennoch hier ein Rezept für den Puristen am Herd:
Das Huhn sollte ein frisches sein, keine Tiefkühler, wirklich frisch - sonst läuft zu viel Saft aus. Also, eine halbe Chili- Schote, 3 Knoblauchzehen geschält und fein geschnitten, 4 EL Rosmarin getrocknet, dazu noch 1 TL feingehackte Zitronenschale und einen guten Schuss Öl. Alle Zutaten in einen Tiefkühlbeutel geben, das Huhn gesäubert und getrocknet dazu legen und zubinden. Jetzt kommen geübte Masseure zum Zuge - das Huhn sollte nämlich richtig gut geknetet werden - so kann die Marinade wunderbar das Hähnchen aromatisieren.
Mit dem Huhn ab in den Kühlschrank - etwa 30 Minuten später kann man mit dem Gemüse weiter machen: Backofen vorheizen, 220 Grad Celsius Heißluft, ein Backblech mit etwas Olivenöl bestreichen, gesäubertes Gemüse (Fenchel, Aubergine, Zucchini, Paprikaschoten, Kartoffeln) in Scheiben (bis zur Zucchini) und halbiert entkernt (ja genau die Paprikaschoten) sowie geachtelt (die Kartoffeln mit Schale) auf das Backblech legen. Das Gemüse sollte auf dem ganzen Blech verteilt werden, wegen dem Grill- Effekt. Liegt das Gemüse übereinander, dann kocht es und bräunt nicht und schmeckt nicht. Also Gemüse ist gerettet, nun das marinierte Huhn ausziehen (Beutel weg) und direkt auf das Gemüse legen - Rest von Marinade direkt drauf geben. Alles gut salzen (besonders die Kartoffeln, die brauchen viel Salz), etwas Pfeffer und Olivenöl darüber und ab in den Ofen.
Nach 35 Minuten ist alles fertig - die Haut, und wirklich nur die Haut steche ich mit einer feinen Fleischgabel vorsichtig ein, das erste Mal nach etwa 15 Minuten. So kommt ein köstlicher Bratensaft auf dem Blech zustande, der keinerlei Kommentierung mehr Bedarf. Wer es nicht glaubt, kann sich die Bilder ansehen - so einfach kann das gute Leben sein. Ach ja zurück zum Titel, dieser ist nicht als Wettstreit gemeint - er stellt eine Herausforderung dar - schließlich wollen wir vor unseren Nachbarn in Frankreich mit Würde bestehen.


















Kommentare
Schöner Text und gute Tipps
Sehr gute Tipps für das Brathuhn und eine ehrliche Geschichte. Auf die Bilder warten wir schon gespannt.
Bilder
Bilder sind jetzt auch online, hatte das Kabel vergessen... Gruß Thomas