Restaurant Jules Verne Eiffelturm

Eiffelturm bei Nacht

Während meiner Lehrzeit bei Alfons Schuhbeck und später im Tantris wurde Alain Ducasse langsam, auch in Deutschland als großer Kochkünstler bekannt.

Damals war Herr Ducasse wohl der erste Sternekoch, der Kameras in der Küche aufstellte um die Arbeit der Köche überwachen zu können. Da hat der große Chef natürlich gute Möglichkeiten ein Feintuning zu betreiben. Natürlich kann man auch Böses denken, ich tue es nicht. Vielleicht war das ganze ja auch eine Zeitungsente? Damals haben alle bayerischen und österreichischen Chefs, mit denen ich darüber gesprochen habe, den Kopf geschüttelt. Ich fand die Idee mit den Kameras immer gut.

Heute ist Ducasse wohl schon eine lebende Legende. Oder einfach nur medial gehipped? Ein zehn Sterne+ Koch kann natürlich nur aus Frankreich kommen, ist doch klar, die Gene müssen einfach stimmen. Sonst geht das gar nicht.

Also kommt der Bayer nach Paris und frech wie eh und je bitte ich sowohl das Hotel als auch meinen schon oft hier erwähnten Freund Sascha um eine Reservierung im Jules Verne im Eiffelturm. Gegen Mittag, für den selben Tag am Abend. Ich denke mir: "3 Wochen Wartezeit? Nee, wenn es sein soll, dann soll es sein." Rozzfrech eben, wie immer….

Das Hotel kann erst gegen 17 Uhr bestätigen, so der Anruf nach etwa einer Stunde. Besser läuft es bei Sascha, er ruft mich gegen 15:00 Uhr an: "Steige grad in Nizza in den Flieger zurück nach Paris" -  "Tisch reserviert für 19:45" - Danke Danke. Langsam kommt richtig Begeisterung auf, ein romantisches Abendessen im Eiffelturm…

Die Ankunft am Tour Eiffel kann besser nicht sein. Wenige Menschen, ein toller Himmel und ein imposanter Ausblick. Das Türmchen scheint wie aus einer anderen Zeit und Welt. Ich will da eigentlich gar nicht hoch, muss ja nicht sein. Der Eingang zum Jules Verne ist leicht gefunden, dahinter befindet sich eine Polizeistation… Ja, toll - Köche werden in Frankreich bewacht!

Der Eingang in das Eisenmonster scheint wirklich wie der Gang in ein seltsames Schiff. Treppen, Dunkelheit, natürlich wird man geführt. Vor einem Spiegel bleibt man stehen, dann kommt schon der Lift. Lustig, wie durch wenige Effekte und noch weniger Licht und die Geräuschkulisse eine völlig eigenartige, fremde aber interessante Atmosphäre entsteht - ich fühle mich ein wenig wie in einem Roman von Jules Verne angekommen.

Nun denn, im Lift werden wir zuerst auf knapp 60 Meter hoch gefahren, die erste Plattform des Eiffelturms.  Links und rechts kann man schon mal rausschauen - die Aussicht ist gigantisch. Noch besser wird es noch höher - ich bin ganz froh, dass der Lift direkt im Restaurant hält und ich nicht hinaus muss auf eine Terrasse. Begrüßung sehr nett, eigentlich steht man wieder im halbdunklen. Die Köche kann man durch eine Scheibe in der Küche sehen. Garderobe, dann um die Ecke Richtung Tisch. Die Fensterfronten geben einen gigantischen und nicht zu übertreffenden Ausblick über Paris frei.

Am Tisch angekommen werden organisch wirkende Platzteller sichtbar - die gitterförmige Optik passt sehr gut zum restlichen Ambiente, das langsam in die vordergründige Wahrnehmung rückt. Die Kellner sind am Anfang flink, mit der Speisekarte erscheint schon nach wenigen Minuten der bestellte Champagner. 

Anstossen - Geburtstag, dann Speisekarte studieren. Im Eiffelturm hat alles seinen Preis. Sehr charmant, a la francaise, meine Frau erhält die Speisekarte ohne Preise. Nach längerer Beratung werden 2 Menüs zusammen gestellt. Wir wählen als Vorspeise Hummer auf Salat mit wildem Apfel und eine Gänseleber im Blätterteig. Die Hauptgerichte: Kaisergranat gegrillt auf Gemüse und Erbsen sowie Lamm auf jungem Gemüse. Zum Dessert wählen wir eine Käsevariation und ein Orangen Soufflé mit Karamelleis.

Die Weinbegleitung erfolgt glasweise, da der Tag bereits Wein gesehen hat.  Das Brot wird aus dem Brotkorb heraus serviert, 4 Sorten kann ich im schummrigen Licht erkennen. Das Brot ist köstlich, das Brioche kommt einem großartigen Soufflé gleich - optisch und im Geschmack. Die Butter mit Jules Verne Logo, zart gesalzen, verschmilzt mit dem herrlichen Brot in bodenständiger Perfektion.   

Das "Amuse Gueule" wird serviert: Ein Kartoffelschaum in drei Varianten, wobei ich nur zwei erkennen kann. Ein sehr einfacher Einstand, die Sache schmeckt dafür sehr sehr lecker und da mir die Kartoffelwürfel im unteren Teil dieser Kreation etwas sehr al dente vorkommen, bestelle ich das kleine "etwas" gleich nochmals. Der Gaumen muss geschult werden. Auch bei der zweiten Portion fällt mir auf, das Gemüse wird extrem hart blanchiert (oder gedämpft), dafür ist der Geschmack aussergewöhnlich. Ein netter Einstand aber ehrlich gesagt habe ich mir etwas mehr Überraschung erwartet.

Die Vorspeisen kommen rasch, beide Varianten sind optisch ein Gedicht. Besonders der Hummer ist eine wahre Augenweide. Gleiches gilt für die Gänseleber, sehr ansprechend und sehr perfekt. Die Saucen werden jeweils für beide Gerichte vom Kellner frisch auf den Teller gegossen. Beide Speisen schmecken vortrefflich, der Hummer ist zart und fein, die Kombination mit der Remoulade und dem Salat bildet eine gute Verschmelzung. Die knusprige Gänseleber ist genial, hätte jedoch mehr Sauce vertragen. Die Komposition erscheint vollkommen, obwohl die Masse zur Ummantelung der Gänseleber beinahe zur Farce wird - da eine Spur zu kräftig. Die Gänseleber in Blätterteig wirkt bereits fast derb - jedoch ist es eine Gradwanderung - die wahrlich noch gelungen ist. 

Die Hauptspeisen folgen nach einer kurzen Pause, das Lamm, schaut Euch das Bild an, absolut genial. Der Geschmack unbeschreiblich, das zarteste Lamm, dass ich jemals gegessen habe. Das Gemüse und die Sauce sind wunderbar abgestimmt - rundum gelungen. Die gegrillten Kaisergranate mit jungem Gemüse stehen dem Lamm in nichts nach. Die Erbsen, wieder auf den Punkt genau gegart bieten mit dem feinen, gegrillten Kaisergranat ein vorzügliches Erlebnis am Gaumen. Die Weine sind passend ausgesucht, ein Margaux von 2004 aus der Magnum sowie ein Chablis.

Einzig der Service ist nun gegen 21:00 Uhr etwas überfordert. Das Wasser schenke ich schon seit der Vorspeise selbst nach, beim Wein kann ich das nicht erledigen. In einem Restaurant dieser Kategorie sollte kein Gast 15 Minuten vor einem leeren Teller sitzen. Das fällt nicht nur mir auf, auch die Nachbarn, die eine Geschäftsbesprechung abhalten spielen Tellerrrücken um die Gesprächs- Unterlagen weiter geben zu können. Aber gut, nicht ablenken lassen von diesem genialen Ambiente und der Aussicht auf das nächtliche Paris und Umland.

Das bestellte Orangen- Soufflé sowie die Käsevariation kommen zur rechten Zeit. Der Käse wird jeweils durch eine Beigabe begleitet, Mandelcreme, Feldsalat, Feigenkompott, Zwiebelconfit. Mit der Käseauswahl sind wir nicht glücklich, wir wurden ja auch nicht gefragt. 

Das Soufflé ist leicht und luftig - geschmackvoll und das Karamelleis eine Wucht. Nach Kaffee und einigen Marshmallows sowie Schokoladenkonfekt wollen wir den Abend hier abschließen. Da beginnt das Lichtfeuerwerk auf der Spitze des Eiffelturms erneut zu blitzen. Romantik pur und ein unvergessliches Erlebnis - Dankeschön!

 

Trackback URL for this post:

http://www.thomassixt.de/trackback/712
Bild von Thomas Sixt
0

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
CAPTCHA
Diese Frage hat den Zweck zu testen, ob man ein menschlicher Benutzer ist und um automatisierten Spam vorzubeugen.
5 + 3 =
Das einfache mathematische Problem ist zu lösen und das Ergebnis einzugeben. Z.B. muss für 1+3 der Wert 4 eingegeben werden.